01_e_RollerDie goldenen Zeiten des Motorrollers liegen weit zurück? Nein! Die kultigen Zweiräder erleben gerade eine Renaissance – diesmal haben sie einen elektrischen Antrieb statt des müffelnden Zweitaktgemisches.

Ein Cappuccino auf der Piazza, raus ins Grüne oder der morgendliche Weg zur Arbeit – immer mehr Menschen bewegen sich mit Elektrorollern durchs Land. In der Anschaffung sind sie etwas teurer als Benzinroller, dafür ist eine Tankfüllung deutlich günstiger. Und die Reichweite stimmt auch. Was früher brummte und knatterte, summt jetzt nahezu lautlos über die Straßen.

“Was bei den Autos noch schwierig ist, funktioniert auf zwei Rädern bereits bestens.” Marco Golla, Marketing-Chef des E-Rollerherstellers Govecs, ist guter Dinge: Der Handel mit batteriebetriebenen Scootern nimmt Fahrt auf, Elektromobilität wird schick. Die Münchener Firma will mit sportlichen Modellen vor allem bei jungen Kunden punkten – vor allem mit der für einen Elektromotor typischen Beschleunigung. Vier verschiedene Grundmodelle gibt es, die Höchstgeschwindigkeiten liegen zwischen 20 und 85 km/h.

Es ist unsere Aufgabe, die Leute darüber aufzuklären, dass Elektromobilität funktioniert.

Die Zweiräder können an der heimischen Steckdose geladen werden, Reichweiten von bis zu 100 Kilometer sind inzwischen mit einer Batterieladung drin – je nach Modell und Fahrstil. Die Reichweite ist jedoch nur selten ein Problem. “Die durchschnittliche Fahrt mit einem 50er-Roller liegt unter 12 Kilometern – 99 Prozent aller Anwendungen decken wir ab.” In Kooperation mit der RWE Effizienz GmbH bietet das Unternehmen auch einen Elektroroller an, der sowohl an allen RWE-Ladesäulen als auch an haushaltsüblichen Steckdosen geladen werden kann.

Pionierarbeit im Bereich der Elektromobilität

Zwischen zwei und fünf Stunden dauert es nach Herstellerangaben normalerweise, bis ein E-Roller voll aufgeladen ist. Das Laden geht über Nacht zu Hause oder auch im Büro. Viele Modelle haben herausnehmbare Akkus, die in der Wohnung geladen werden können. Zwischen 50 Cent und einem Euro kostet es, die Akkus aufzufüllen. Je nach Spritpreis wird für die Tankfüllung eines Benzinrollers schon mal das Zehnfache fällig.

Elektroroller Pro und Kontra

Pro
Umweltfreundlich mit Ökostrom
Geringe Unterhalts- und Verbrauchskosten
Starke Beschleunigung
Kein Gestank
Kaum Wartungsaufwand

Kontra
Höhere Anschaffungskosten als Benzinroller
Geringere Reichweite
Abhängigkeit vom Stromnetz
Längere Ladezeiten

Hauptsächlich kleine Hersteller sind mit ihren Fahrzeugen bislang auf dem europäischen Markt vertreten. Zum Beispiel das kleine Unternehmen Kumpan aus Remagen. Die Brüder Daniel, Philip und Patrik Tykesson sind seit 2010 mit dem Kumpan electric 1954 im E-Roller-Geschäft – und das mit Erfolg. Bei den E-Roller-Absatzzahlen gehören die Existenzgründer zu den “Top 3″-Firmen in Europa. Das Unternehmen leistet Pionierarbeit, findet Patrik Tykesson: “Es ist unsere Aufgabe, die Leute darüber aufzuklären, dass Elektromobilität funktioniert.” Derzeit haben die Brüder drei verschiedene Modelle im Retrodesign im Angebot. Ein viertes, besonders leistungsstarkes soll 2014 folgen.

“Wir haben uns bewusst für ein nostalgisches Design entschieden”, sagt Patrik Tykesson. “Wir wollen so optisch Vertrauen in die neue Technik schaffen.” Vor dem Fahren auf den neuen Rollern muss sich niemand fürchten. “Das ist so einfach wie einen Fön einschalten”, versichert Tykesson. Die Zielgruppe? “Querbeet. Derzeit sind es viele Mädchen, die nicht mehr nach Zweitakter riechen wollen, urbane Trendsetter zwischen 20 und 35 und 60- bis 70-Jährige. Die sind meist belesener und haben sich mit dem Thema beschäftigt.”

Doris Kudla vom Marketing des Elektro-Zweirad-Unternehmens etropolis, das neben Rollern auch E-Bikes und Pedelecs vertreibt, stellt fest: “Jetzt geht es gerade richtig los!” In Kooperation mit dem australischen Hersteller Vmoto fertigt und vertreibt das Unternehmen drei verschiedene Modellreihen von sportlich bis retro. “Unsere Zielgruppe sind Menschen, die sich umweltbewusst bewegen wollen.”

In Italien, dem Mutterland der Motorroller, ist etropolis Marktführer. Insgesamt werden hier deutlich mehr Roller verkauft als in Deutschland – auch mehr E-Roller. “Für Zurückhaltung sorgt in Deutschland neben dem Wetter auch die Befürchtung, mit einem E-Fahrzeug liegen zu bleiben”, sagt Doris Kudla. Doch auch die Elektro-Scooter haben eine Ladeanzeige – ähnlich der Tankanzeige von Benzinrollern. “Der eigene Fahrstil hat darüber hinaus auch einen großen Einfluss auf die Reichweite.”

Warten auf das Signal der großen Konzerne

Ein Problem, das auch der einzige Großkonzern unter den E-Scooter-Herstellern kennt: Peugeot hat als einziger Automobilhersteller einen Elektroroller im Sortiment. “Es gibt eine gewisse Reichweite – das ist kein Gefährt, mit dem ich 80 Kilometer mit Vollgas in die Berge fahre”, sagt Volker Klein, Geschäftsführer von Peugeot Motocycles Deutschland. Die höchsten Verkaufszahlen erreicht das Unternehmen mit dem Roller E-Vivacity derzeit in Großstädten. Gewinne fährt Peugeot mit dem Zweirad derzeit aber kaum ein. “Das ist nicht der Volumenbringer”, sagt Volker Klein, “aber wir wollen den Fuß in der Tür haben und Erfahrungen sammeln.”

 

Wenn ein großer Automobilhersteller so einen Roller im Angebot hätte, wäre das ein klares Signal, dass Elektromobilität funktioniert.

Marco Golla, Patrik Tykesson und Doris Kudla würden sich über das Engagement weiterer großer Unternehmen auf dem E-Roller-Markt freuen. “Wenn ein großer Automobilhersteller so einen Roller im Angebot hätte, wäre das ein klares Signal, dass Elektromobilität funktioniert”, sagt Patrik Tykesson. Doch der einzige große deutsche Hersteller, der einen konkreten Termin nennt, ist BMW: “Die Markteinführung ist für das erste Halbjahr 2014 geplant”, sagt Rudi Probst, Sprecher der BMW-Motorradsparte.

Der Roller C evolution wird jedoch deutlich größer dimensioniert sein als die kleinen Stadtflitzer, die vergleichbare Leistungen erbringen wie 50 bis 80 Kubikzentimeter-Roller. Der C evolution soll dagegen die Leistung eines 600-Kubikzentimeter-Motorrades erreichen. Der von der Mercedes-Benz-Tochter Smart vorgestellte E-Roller bleibt dagegen vorerst ein Konzept. “Wir wollen und werden das machen”, sagt ein Mercedes-Sprecher. Doch wann es so weit ist, ist unklar.

Die Renaissance des Motorrollers scheint jedoch nicht mehr aufzuhalten zu sein. Sie ist elektrisch, leise, mit Ökostrom abgasfrei, sieht gut aus und hat eine Beschleunigung, die dem Fahrer den Spaß in die Backen treibt.

Tipps zum E-Roller-Kauf:

Viele Firmen bieten derzeit Elektroroller an, die meisten davon sind relativ unbekannt. Oft werden auch qualitativ schlechte Roller nach Deutschland importiert. Wer einen Elekro-Scooter kaufen will, sollte sich deshalb unbedingt vorher über diese Punkte informieren:

Wo gibt es Händler und Werkstätten für meinen E-Scooter?
Wie sieht es mit der Ersatzteilversorgung aus?
Welche Garantien gibt es?
Welches Modell kann ich mit meinem Führerschein fahren?

quelle: vorweggehen