Erinnern Sie sich noch an den Kinoerfolg von 1996, 101 Dalmatiner? In der Hauptrolle eine brillante gierig und skrupellos mimende Glen Close auf der Jagd nach dem einmalig weichen und gepunkteten Fell von Baby Dalamtinern. Die Story begeisterte Amerikaner, Europäer und auch Asiaten. In China entstand damals ein richtiger Hype um Dalmatiner. Viele Chinesen schaften sich aufgrund des Movies diesen Rassehund an. Einige Zeit später berichteten Korrespondenten über eine Flut an ausgesetzten oder abgegebenen weißen Hunden mit schwarzen Punkten.

Bei uns haben in den letzten Jahren die sogenannten Plattnasen das Herz der Hundeliebhaber erobert. Allen voran der gutmütige Mops, die charakterstarke Französische Bulldogge, sanfte Cavalier King Charles und liebenswerte aber eigenwillige Shih Tzu`s. Absolute Favoriten bei größeren Hunden sind Golden Retriever und Labradore, diese Exemplare gerne in Schokobraun, Sand oder Schwarz. Jogger und Asketen unter uns wählen den Jagdhund Magyar Visla zu ihrem treuen vierbeinigen Begleiter. Designrassen wie z.B. Labradoodle, eine Mischung aus Pudel und Labrador, sollen Allergikern den Wunsch nach einem Hund ermöglichen.

Familienmitglied mit Vergangenheit

Wo kommen diese unzähligen Welpen her, die wir uns als treuesten Begleiter zulegen? Internetanzeigen werben mit hinreißenden Fotos von den Kleinen. Emotional verbinden wir uns schnell und tief mit den süßen Welpen. Schmelzen dahin beim Anblick der unbeholfenen und niedlichen Galoppsprünge durchs Gras. Wir übernehmen die Aufzucht, investieren Zeit und Geld und sind glücklich wenn unser Hund glücklich ist. Keiner kommt auf die Idee dem Muttertier einen Gruß zu schicken, mit Foto, ja dem Kleinen ginge es gut, er entwickelt sich prächtig! Ich möchte keinen Kitsch anklingen lassen, sondern die Frage nach den Elterntieren in den Raum stellen. Das Erbe einer gnadenlosen brutalen Kinderstube trifft viele Welpenkäufer und ihre Schützlinge hart. Welpen die von Vermehrern kommen, leiden unter psychischen Störungen, Darmkeimen, Infektionen und einem schwachen Immunsystem. Dauernde Tierarztbesuche und das Bangen um das Überleben, überschatten oft die neu geschlossene Freundschaft. Gerade bei Plattnasen (Boxer, Bulldoggen, Pekinesen) kommen Hundebesitzer nicht zur Ruhe. Atemnot und regelmäßige Erstickungsanfälle durch zu wenig Nase oder zu langes Gaumsegel, Augenkrankheiten, Allergien und degenerierte Wirbelsäulen machen den Traum vom eigenen Hund zum Alptraum. Operationen und regelmäßige Besuche beim Physiotherapeuten nagen am Geldbeutel, kosten Nerven und Zeit und stimmen traurig.

Vermehren – skrupelloser Missbrauch

Wer diesen Unwägbarkeiten entgehen möchte, erwirbt sein Tier bei einem ausgewählten Züchter. Doch diese sind sehr rar. Der Alltag in der Welpenproduktion ist rücksichtsloses vermehren.

Vermehrer bedeutet Massenzucht von nachgefragten Rassehunden. Von einer verantwortungsvollen Zucht kann man bei „Vermehrern“ nicht ausgehen. Das Motiv dieser Menschen, Hunde zu „produzieren“,liegt nur auf dem schnellen und maximalen Profit. Zuchtstandards und vor allem die Sorgfalt, nur genetisch gesunde Hunde zu paaren, spielt überhaupt keine Rolle. Die Vermehrer setzen auf den Effekt – süße Welpen zum günstigen Preis.

Weltweit betreiben gierige Menschen unwürdige Zuchtställe. Allein in Polen gibt es schätzungsweise 20.000 Qualzüchter. In Ungarn, Spanien, Italien, Holland, auch bei uns in Deutschland, eigentlich weltweit. In den USA werden solche Farmen “Puppy Mills”, auf gut Deutsch “Welpenmühle” genannt. Da es nur um Profit geht, werden die Elterntiere unter den schlimmsten hygienischen Zuständen gehalten. Auf verlassenen Höfen müssen die Tiere jahrelang auf blankem Beton in ihren eigenen Exkrementen vegetieren. Das können dunkle Keller sein oder auch Außengehege. Die Tiere fristen somit Ihr Leben im dunklen Verlies oder sind ungeschützt Jahr ein Jahr aus Hitze und Kälte ausgesetzt.  Futter ist knapp bemessen und ärztliche Betreuung findet nicht statt. Hündinnen werden aufgrund von Hormonspritzen bis zu dreimal trächtig pro Jahr. Die Welpen werden den Müttern zu früh entrissen. Kaiserschnitte werden ohne Betäubung durchgeführt. Ist eine Zuchthündin mit ihren Kräften am Ende wird sie einfach lebend weggeworfen.

Täuschung  beim Kauf

In Deutschland ist der Verkauf von Welpen in Supermärkten verboten. In Italien, Spanien oder USA werden die Trendwelpen in den Einkaufscentern in Glaskästen und Käfigen zum Verkauf präsentiert. In den USA kann man natürlich zum Kauf auch einen Ratenkredit abschließen. Deutsche Händler agieren unter Namen wie “Gut von und Zu”, “Zwinger von und Zu”. Solch wohl klingende Etikettierungen vermitteln oberflächlich  Seriosität. In der Tat sind die Verkaufsstellen sauber, das Personal freundlich und im schmucken Büro des Verkäufers kann man sich gleich  umfangreich mit Accessoires für den Liebling eindecken. Nur wo sind die Elterntiere?

Auf Facebook tauschen Rasseafine User Tipps aus. Eine Bulldoggenliebhaberin pries einen günstigen und guten Verkäufer in Tschechien an. Stolz berichtet der, dass er pro Jahr ca. 400 Welpen verkauft. Auf dem ländlichen Pferde- und Hundehof keine Spur von den Muttertieren. Insider berichten jedoch, dass hinter den Kulissen härteste Vermehrung betrieben wird.  Muttertiere die noch nicht ganz am Ende ihres kurzen Lebens als Gebärmaschine angekommen sind, werden für nur 15 Euro an den letzten der an dem Geschäft profitieren will, weiterveräußert.  Schätzungsweise gelangen durch diese Machenschaften so jährlich ca. 500.000 Welpen aus diesen Umständen auf den deutschen Markt.

Hilfsorganisationen

Viele Vereine widmen sich der Vermittlung von Straßenhunden und so mischt sich das Bild im Englischen Garten in München. Vislas und Retriver  jagen im Spiel spanischen und ungarischen  Mischlingen nach und umgekehrt. Möpse schnaufen kurzbeinigen Mischlingen hinterher, die knapp einer rumänischen Tötungsstation entkommen sind.

Zur Rettung von Rassehunden, also für die Elterntiere dieser erbarmungslosen Maschinerie, setzten sich in Deutschland kaum Vereine konsequent ein. Dagmar auf der Maur hat das spezielle Leid erkannt und kämpft  für die vergessenen Elterntiere.

 

RIN Retriver in Not und LFD Liberty for Dogs

Seit gut 10 Jahren setzt sich Retriver in Not für den Schutz und die Rettung von Vermehrerhunden ein. Das Schlüsselerlebnis begegnete der Gründerin von RIN, Dagmar auf der Maur in Holland. Sie beteiligte sich an einer Rettungsaktion von ca. 100 Zuchthunden. Auf einem ehemaligen Gärtnereigelände wurde ein Vermehrerbetrieb durch die Polizei stillgelegt. Der Zustand der vielen kranken und verwahrlosten Hunde war katastrophal.  Seitdem widmet Dagmar auf der Maur ihr Leben der Rettung von Zuchthunden.

Der Ohnmacht zum Trotz, dieses Geschäft nie zum Erliegen zu bringen, konzentriert sich Liberty auf die Zusammenarbeit mit einem tschechischen Tierheim. Unermüdlich organisiert Dagmar auf der Maur die Rettung der Hunde. Auch herausfordernde spontane Notaktionen fordern vollen Einsatz. Zum Beispiel wenden sich in der Tierschutzszene Helfer an Liberty, wenn plötzliche Auflösungen von Vermehrern bekannt werden. Dann müssen auf einen Schlag 30, 50 oder 100 Hunde aufgenommen, untergebracht und medizinisch versorgt werden.

Partnertierheim in der Tschechei

Die Mitarbeiter des Tierheims betreiben auch Öffentlichkeitsarbeit vor Ort. Sie fahren zu den Vermehrern und bieten Ihnen an, die nicht mehr nutzbaren Tiere im Tierheim abzugeben. Dort werden die ausgedienten Zuchthündinnen und Rüden aufgenommen. Sie bekommen erste ärztliche Versorgung, werden gefüttert und stabilisiert. Zwischenzeitlich werden die Kandidaten für ein besseres Leben mit Foto im internen Forum bei Liberty vorgestellt.

Starkes Team von Freiwilligen

Liberty for Dogs könnte nie ohne die großartige Hilfe von Freiwilligen diese Arbeit leisten. Im internen Forum, einer herzlichen und beständigen Gemeinschaft, wird ständig kommuniziert. Es wird organisiert, getröstet und  gemeinsame Erfolge werden gefeiert. Das Team besteht aus Pflegestellen für die Hunde, Mitglieder für Fahrketten und die jeweiligen Organisatoren. Die großartigen Helfer sind über ganz Deutschland verstreut. Fahrketten werden zusammengestellt  um die Tiere sicher an ihren Pflegeplatz zu bringen.

Erste Schritte in ein besseres Leben

Zuchtmuddis und Rüden die das Glück haben in einer Pflegestelle aufgenommen zu werden, kommen zur Ruhe, tanken Kraft und erholen sich, meistens. In ausführlichen und rührenden Tagebüchern werden die Fortschritte der Schützlinge dokumentiert.  Das Versprechen der Organisation lautet; wir sorgen für dich, du sollst ab jetzt ein gutes Leben führen. Entsprechend sorgfältig werden die Hunde vermittelt.

Fazit

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, einen Hund in Ihr Leben einzuladen, dann überprüfen Sie Ihre Lebenssituation. Zeit, ein stressfreies Umfeld und ein geregelter Tagesablauf, der notwendige finanzielle Rahmen sind die Voraussetzungen zur Hundehaltung. Vielleicht muss es ja gar nicht der süße Welpe sein. Junghunde oder ausgewachsene Tiere sind auch dankbar. Fixieren Sie sich nicht auf eine bestimmte Rasse. Jeder Hund hat Persönlichkeit und kann viel geben. Schauen Sie sich in Tierheimen und den Internetforen der Tierschutzvereine um. Sie finden Ihren Liebling. Abertausende „gebrauchte“ Hunde warten auf einen guten Platz. Wenn es der Rassehund sein muss, prüfen Sie gewissenhaft den Verbleib der Elterntiere. Für jede Rasse gibt es ein Notportal im Internet. Leider gibt es keinen Mangel an Rassehunden sondern, einen traurigen Überfluss.

Sie können durch Spenden und Aufklärung im Bekanntenkreis helfen.

Liberty for Dogs

Puppy Mills