gazpromDas Public Eye wirft ein kritisches Licht auf die Geschäftspraktiken von Unternehmen und bietet eine Plattform, um Verletzungen der Menschen- und Arbeitsrechte und die Umweltzerstörung oder Korruption unter den Augen der Öffentlichkeit und Medien anzuprangern. Ort und Zeitpunkt des Public Eye fallen absichtlich mit dem jährlichen Treffen des World Economic Forum in Davos zusammen. Wer sich nämlich am WEF hinter verschlossenen Türen trifft, um angeblich die Probleme der Welt zu lösen, hat nicht selten selbst Menschenrechte verletzt oder die Umwelt verschmutzt. Die Public Eye Awards zeigen den Akteuren der Weltwirtschaft, dass Menschen und Umwelt verachtende Geschäftspraktiken Konsequenzen haben – primär für die davon Betroffenen, aber auch für das Firmenimage.

Die virtuelle Wahlurne ist geöffnet. Bis zum 22. Januar 2013 können User weltweit auf www.publiceye.ch über den verantwortungslosesten Konzern abstimmen. Das Ende des Votings wird wiederum vom Beginn des Weltwirtschaftsforums markiert – eine Zusammenkunft von Experten, die über aktuelle ökonomische Fragen diskutieren. Der Public Eye Award stellt global vernetzte, einflussreiche Firmen an den Pranger und ermöglicht es den Opfern unethischer Firmenaktivitäten, zu Wort zu kommen.

Die Nominierten

Die Liste der Nominierten umfasst acht Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen: Eskom, FIFA, Gap, Glencore Xsastra, HSBC, Marine Harvest, Syngenta/Bayer/BASF und Gazprom. Sie alle folgen verwerflichen Geschäftspraktiken, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln – aber Menschenleben und Ökosysteme massiv gefährden.

  • Eskom, der staatliche Energiekonzern Südafrikas, verpestet die Luft mit Kohlekraftwerken.
  • FIFA vertreibt für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien Anwohner ganzer Dörfer, um für das Riesenevent bauen zu können.
  • Die Textilfirma GAP hatte so niedrige Sicherheitsrichtlinien, dass beim Einsturz einer Fabrik in Bangladesh rund 1100 Menschen ums Leben kamen.
  • Glencore Xsastra handelt mit Rohstoffen wie Kohle oder Aluminium. Die Aktivitäten dieses Konzerns sind korrupt, bedrohen eingeborene Völker und verschmutzen Wasser und Wälder im Umkreis.
  • Die Großbank HSBC finanziert Firmen, die ihrerseits Umweltverbrechen begehen, etwa die Palmölfirma Sime Darby.
  • Die Marine Harvest Gruppe aus Norwegen, ein riesiges Lachszuchtunternehmen, provoziert in Chile Umweltkatastrophen.
  • Die Firmen BASF, Bayer und Syngenta, gemeinhin als „Bienen-Killer“ verschrien, bringen Pestizide in Umlauf, die Bienen und andere Bestäuber gefährden – mit unmittelbar schwerwiegenden Folgen für die Landwirtschaft.

Gazprom ohne Notfallplan

Der russische Energiekonzern Gazprom, der selbst zum Klimawandel beiträgt, will das schmelzende Eis in der Arktis nutzen, um dort ab Dezember 2013 nach Öl zu bohren. Seine Ölplattform Prirazlomnaya in der Petschorasee weist mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen auf, Gazprom könnte auf einen Ölunfall nicht angemessen reagieren. Der Konzern gehört zu großen Teilen dem russischen Staat, der bei einem friedlichen Protest von Greenpeace-Aktivisten im September seine Macht demonstrierte: Staatliche Sicherheitskräfte nahmen die Arktisschützer in Haft. Gazprom agiert auch als Medienkonzern, der Konzern besitzt TV- und Radiosender. Die Medienpropaganda in Russland gegen Greenpeace trägt Gazproms Handschrift.

Das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen hat die Fälle der Nominierten geprüft. Um absolute Objektivität zu gewährleisten, erfolgte die Prüfung ohne Kenntnis der Firmennamen.

Die Public Eye Awards werden seit dem Jahr 2000 vergeben und gehören zu den bekanntesten sogenannten „Anti-Preisen“. Abgesehen vom Publikumspreis, den Sie ab morgen mitwählen können, entscheidet auch eine unabhängige Experten-Jury über den Jurypreis. Kumi Naidoo, Jury-Mitglied und Geschäftsführer von Greenpeace International, wird am 23. Januar die Gewinner der Awards bekanntgeben.