naturlederDer Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) stellt am ersten Messenachmittag eine Spezifikation zur nachhaltigen Schuhherstellung vor.

In ihrem Vortrag erklären die Referentinnen Franziska Kuntze, Mitglied des Vorstands des IVN, und Heike Scheuer, Geschäftsstellenleiterin des IVN, wissenswerte Fakten über die neue Produktkennzeichnung.

So baut die Spezifikation auf das bereits erfolgreich eingeführte Qualitätszeichen „IVN Naturleder“ auf. Außerdem bietet die am Schuh sichtbare Qualitätskennzeichnung mit dem „NATURLEDER“-Siegel dem Einkäufer und Endverbraucher am Markt erstmals eine klare und vertrauenswürdige Kennzeichnung.

NATURLEDER IVN zertifiziert

Wie bei dem IVN-Zertifikat für Textilien ist es dem IVN bei den von ihm zertifizierten Lederprodukten wichtig, eine Qualität auf hohem technischem und ökologischem Niveau sicherzustellen. Daher werden in der Richtlinie NATURLEDER alle Herstellungsstufen entlang der Prozesskette von der Rohware bis zum Verkauf und Gebrauch des fertigen Leders (nicht des verarbeiteten Lederprodukts) berücksichtigt.

Sinnvolle Einsparung von Ressourcen, Umwelt- und Gesundheitsschutz in der Produktion als auch während des Gebrauchs und die Gebrauchsfreundlichkeit stehen hierbei im Vordergrund. Die Bewertung der Produkte und ihrer Herstellung werden dabei aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilt. Von der Umweltbelastung über Gesundheitsaspekte sowohl für die Menschen, die die Produkte herstellen als auch für diejenigen, die sie verwenden und einzelne Gefahrenstoffe bis hin zur Entsorgung und Recyclingfähigkeit der Waren werden überprüft und dokumentiert.

Zusammenfassung

.Zunächst stellt der Standard NATURLEDER einige Grundanforderungen an alle Betriebe, die sich für eine Zertifizierung entscheiden. Beispielsweise müssen alle Verarbeitungsstufen über eine zweistufige Kläranlage verfügen, egal ob sie ihr Abwasser direkt, also ungereinigt oder indirekt über den Umweg einer Kläranlage in die Gewässer einleitet. Durch den Einsatz gentechnisch modifizierter Organismen (GMO) gewonnene oder veränderte Substanzen sollen vermieden werden. Der grundsätzliche Ausschluss dieser Substanzen ist mangels Kontrollierbarkeit nicht möglich. Alle eingesetzten Chemikalien müssen festgelegten Vorgaben entsprechen.

Das Rohmaterial für die Lederherstellung ist die tierische Haut. Hier ist es wichtig, dass die Tiere, von denen die Rohhäute stammen, vorwiegend zur Fleischgewinnung gehalten werden. So fällt zusätzlich keine umweltbelastende Tierzucht an. Wildlebende oder vom Aussterben bedrohte Tierrassen sind bei NATURLEDER-Produkten ausgeschlossen.

Vor der Gerbung werden die Häute konserviert und gereinigt. Dies geschieht durch Kühlen und Salzen, nicht mithilfe von chemischen Konservierungsmitteln. Werden beim Reinigen Tenside und waschaktive Substanzen verwendet, müssen diese biologisch abbaubar sein.

Besonders belastend für Umwelt und Gesundheit ist bei der Lederherstellung der Produktionsschritt der Gerbung. Daher sind die stark umstrittene Chromgerbung und Gerbverfahren, bei denen mineralische Gerbstoffe eingesetzt werden, nicht erlaubt. Bei NATUREDER kommen beispielsweise vegetabile, also pflanzliche Gerbverfahren zur Anwendung oder aber auch die sogenannte „Sämischgerbung“. Da hier traditionell der Tran von Walen verwendet wird, muss ein Nachweis über die Einhaltung des Artenschutzes erbracht werden. Auch Gerbungen mit Aluminium, Zirkonium oder Titan sind zugelassen.

Auch Leder wird gefärbt. Farbstoffe müssen , wie bei der Textilfärbung auch, AOX- und schwermetallfrei sein und der EU-Verordnung entsprechen. Gewünscht ist natürlich die Verwendung von Pflanzenfarbstoffen.

Zurichtungen oder Finishmethoden verbessern neben der Optik die Gebrauchseigenschaften des Leders und unterstützen die Atmungsaktivität. Ein mechanisches Verfahren ist das Millen, durch das eine besonders weiche Lederqualität mit einem besonders angenehmen, vollen Griff erzielt wird. Die Leder werden hierbei trocken in einem Fass gedreht und dadurch weich geschlagen. Beim Stollen werden die Leder durch vibrierende Metallstifte weichgeklopft. Die Lederfasern werden dadurch gegeneinander gelockert und beweglicher. Das Leder wird geschmeidiger und zeigt eine gleichmäßigere Fläche. Ausdrücklich ausgeschlossen sind die Verwendung von lösungsmittelhaltigen Finishs oder Beschichtungen jeder Art.

Für Verbraucher besonders wichtig: Ebenso wie bei den Textilien sind für NATURLEDER strenge Grenzwerte für Schadstoffe im Endprodukt festgelegt. Diese Grenzwerte und die speziell für Lederprodukte erarbeiteten Qualitätsanforderungen, wie Reibechtheit oder Zugfestigkeit entsprechen den DIN- und ISO-Normen oder übertreffen sie.

Da Lederprodukte international beschafft und verarbeitet werden, gelten für den gesamten Herstellungsprozess von NATURLEDER-Produkten die gleichen Sozialkriterien wie für Naturtextilprodukte.

IVN