gruener_journalismus_logoAchtsamkeit ist ein Trendthema, der Journalismus hat sich diesem Leitbild, das viele Paralleln zur Nachhaltigkeit hat, noch nicht genähert. Eine Ausnahme ist der Text von Claus Eurich, der neben seiner Journalistik-Professur auch Buchautor und Meditationslehrer ist.

Leitwerte zur Fortführung der Qualitätsdebatte auf der Ebene der Tiefenkultur

Ein Auszug:

Über das Alltagsverständnis hinausgehend, haben Begriff und Bedeutung von „Achtsamkeit“ in den letzten Jahrzehnten eine steile Karriere erlebt. Die Verbreitung buddhistischer Philosophie/Spiritualität im Westen hat daran einen entscheidenden Anteil, aber auch die Integration von Achtsamkeitskonzepten in Medizin, Psychotherapie, Pädagogik und Führungshandeln. Eine transdisziplinär verbindliche Definition von Achtsamkeit/Mindfullness gibt es zwar nicht, doch lassen sich einige zentrale Eckwerte markieren, die über Einzelsichtweisen hinausgehend allgemeine Akzeptanz finden.

 Achtsamkeit steht für eine innere Haltung und Ausrichtung des Menschen, die sich als Lebenshaltung auf alles Tun und Nicht-Tun bezieht und die Trennung zwischen beiden auflöst. Unmittelbar im Hier und Jetzt der Gedanken, Gefühle, Haltungen und Handlungen zu sein, im Augenblick zu verweilen, ohne sich in Vergangenheit oder Zukunft wegzuträumen, ist dabei die Schlüsselanforderung. Zu dieser Präsenz gehört eine bewusste, intentional aufmerksame, wache und respektierende Grundhaltung gegenüber allen Wahrnehmungen und Bewusstseinsinhalten.

Ich lebe in Zeugenschaft statt Beurteilung, bewege mich in Multiperspektivität statt in den eindimensionalen Mustern meiner eingeschliffenen Sichtweisen, Routinen und Gewohnheiten. Achtsamkeit zielt auf Ganzheit und die Essenz des Seins. Sie ist integral statt parzellierend, holarchisch statt hierarchisch, gelassen statt in der Zwangsjacke von Emotionen. Sie wirkt hin auf die Synchronisation von Gefühl und Verstand und wird zur Basis jeder Selbstreflektion, die tiefer ist als eine zirkuläre und egozentrische Selbstvergewisserung und Selbstbestätigung.

Grüner Journalismus

Grüner Journalismus – den gibt es doch schon, werden einige sagen. Ja, denn grüner Journalismus hat als Umweltjournalismus eine längere Tradition. Umweltjournalismus berichtet zum Beispiel über das dramatische Bienensterben oder über die Sehnsucht der Menschen nach einer intakten Natur. Es gibt daneben aber seit einigen Jahren auch neue, breitere journalistische Facetten, die in Richtung Nachhaltigkeit weisen.

Die Nachhaltigkeitsaspekte sind allerdings nicht immer zu erkennen, da Katastrophen und Risiken auch hier oft im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen; Lösungsansätze und Erfolgsbeispiele werden demgegenüber viel seltener abgebildet. Ein Medienhype wird zum Beispiel ausgelöst, wenn eine internationale Klimakonferenz gescheitert ist. Regelmäßig Schlagzeilen liefern aber auch Benzinpreiserhöhungen oder Skandale in der industriellen Landwirtschaft. Und inzwischen schlägt die Vergütung für Solar- und Windstrom ebenfalls hohe Wellen. Oft fehlen in dieser aktuellen und aufgeregten Berichterstattung die Anbindung an den größeren Kontext und Bezüge zu anderen wichtigen Dimensionen des Themas.

Unser Verständnis fragt deshalb nach den Zusammenhängen zwischen ökologischen Grenzen sowie ökonomischen und sozialen Aspekten einzelner Themen – und damit nach fehlenden Hintergründen und möglichen Lösungsansätzen.