cod fishWährend der Fleischkonsum inzwischen immer öfter in Frage gestellt wird, betrachten viele Menschen den Konsum von Fischen immer noch als ethisch und ökologisch vertretbar. Die Albert-Schweitzer-Stiftung zeigt auf, dass auch hier ein Umdenken nötig ist.

Ethische und ökologische Bedenken
Zwischen 1 und 2,7 Billionen (= 1.000 bis 2.700 Milliarden) Fische werden jährlich weltweit in den Meeren gefangen – das sind mindestens 16-mal so viele, wie die Anzahl der jährlich geschlachteten Landtiere beträgt, und weit mehr als zur natürlichen Regeneration der Fischbestände notwendig wäre. 87 % der weltweiten Fischbestände sind bereits jetzt schon überfischt oder an der Grenze der maximalen Ausbeutung. Bis zum Jahr 2050 steht laut der Umweltorganisation WWF zu befürchten, dass bei gleichbleibendem Fischkonsum die Ozeane leergefischt sein werden.

Auch Fische fühlen
Neuere wissenschaftliche Forschung belegt: Die Unterschiede zwischen Fischen und anderen Wirbeltieren hinsichtlich ihres Gedächtnisses, ihrer Lernfähigkeiten und ihrem Sozialverhalten sind weit geringer als lange Zeit angenommen. Und auch bezüglich der Leidensfähigkeit zeigt sich immer deutlicher: Auch Fische empfinden Angst, Schmerzen und Stress. Trotz dieser gewachsenen Erkenntnisse werden Fische jedoch auch weiterhin massenhaft in Panik versetzt, mit unterschiedlichen Fangmethoden schwer verletzt und entweder einem langsamen, qualvollen Erstickungstod überlassen oder bei lebendigem Leib ausgenommen.

Außerdem ökologisch wie ethisch zu bedenken: Rund 40 % des jährlichen Gesamtfangs wird als nicht kommerziell verwertbarer Beifang tot oder schwer verletzt zurück ins Meer geworfen. Regelmäßig fallen dabei auch Meeressäugetiere wie Delfine und Wale, weitere Meeresgeschöpfe und auch Seevögel der modernen Industriefischerei zum Opfer.

Und was ist mit Aquakulturen?
Bereits die Hälfte des weltweit konsumierten Fischs wird in sog. Aquakulturen gezüchtet, um die steigende Nachfrage nach Fisch trotz der sinkenden Meeresbestände befriedigen zu können. Für die Meere bedeutet dies keinerlei Entlastung: Zuchtfische werden mit Fischmehl aus wild gefangenen Fischen gefüttert, wodurch die Wildbestände zusätzlich schrumpfen. Dazu kommen Umweltschäden, verursacht u. a. durch Fischkot und Nahrungsreste (führen zur Überdüngung der Meere) sowie Antibiotika. Und nicht zuletzt werden Wildbestände durch entflohene, genetisch veränderte Rassen sowie durch grassierende Krankheiten aus den offenen Unterwasserkäfigen der Aquakultur-Fische gefährdet.

Ethisch äußerst bedenklich sind bei Aquakulturen auch die üblichen hohen Besatzdichten (auch in der Bio-Aquakultur), durch welche die Bewegungsfreiheit der Tiere in erheblichem Maße eingeschränkt wird sowie Verhaltensstörungen und lebenslanger Stress ausgelöst werden. Zudem bieten die Enge und dauerhaften Stressfaktoren den idealen Boden für eine rasche Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten. Und: Eine Schlachtung mit Betäubung wäre in der Aquakultur zwar möglich, wird aber kaum durchgeführt. In den meisten Fällen ersticken die Fische oder sie entbluten bei vollem Bewusstsein.

Was können Sie tun?
Wie Sie sehen, gibt es einige gute Gründe, seinen eigenen Fischkonsum zu hinterfragen und sich Alternativen zu Fisch zu suchen. Probieren können Sie etwa rein pflanzliche Fisch-Alternativen, die von Garnelen über Thunfisch bis zum Lachsfilet reichen und die Sie in vielen Asia-Märkten und im Internet erwerben können.

Abschließender Tipp: Derzeit befindet sich u.a. der Blauflossenthunfisch, vor allem wegen der Popularität von Sushi, am Rand der Ausrottung. Sushi schmeckt jedoch auch hervorragend, ohne dass ein Fisch dafür herhalten muss. Probieren Sie z. B. dieses Rezept. Quelle: Albert-Schweitzer-Stiftung

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