kalbMittlerweile liegt „Der Tanz um das goldene Kalb“ des Evolutionsbiologen und Ökologen Josef H. Reichholf beim Wagenbach-Verlag bereits in der 3. Auflage vor.  Die Brisanz des Themas zum Zeitpunkt der Erstauflage 2006 war groß und ist bis heute aktuell. Die aufeinanderfolgenden Kette von Skandalen, die mit Lebensmitteln im Zusammenhang stehen stimulieren das Bewusstsein der Verbraucher gegenüber der Massenfleischproduktion. In dem samt Literaturverzeichnis lediglich 151 Seiten umfassenden Buch werden in 5 Kapiteln verschiedene Aspekte der Veränderungen insbesondere der Landwirtschaft – weg vom bäuerlichen auf die örtlichen Verhältnisse und über Jahrhunderte gewachsenen Wirtschaften; hin zu einer Agroindustrie mit ihrer weltweit ausgreifenden, unkontrollierbaren und hochgradig mit Steuermitteln subventionierten Produktion – mit einer Fülle von negativen Folgen dargestellt. Die Gier nach Fleisch und die Konsequenz mit der Welt als ein Planet der Nutztiere, es werden immer mehr Nahrungsmittel ans Vieh verfüttert und es wird immer mehr Gülle über die Felder ausgebracht (ca. 5x soviel wie menschliche Abwässer anfallen, die allerdings meist in Kläranlagen gereinigt werden); die Überdüngung der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit einem Rückgang an Diversität von Flora und Fauna; die Invasion und Ausbereitung fremder Tier- und Pflanzenarten; die Verschmutzung des Wassers – immer weniger Menschen steht wirklich reines Trinkwasser zur Verfügung; die Tropenwaldvernichtung und die Auswirkungen auf den Rest der Welt. Ein lesenswertes Buch um Verständnis für den Prozess hinter den Kulissen der Nahrungsmittelindustrie zu erlangen.