(c) Justin Jin, Panos Pictures

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Die neueste Recherche der Clean Clothes Campaign, War on Want, SACOM (Student and Scholars Against Corporate Misbehaviour, Hongkong) und IHLO (Hong Kong Liaison Office of the international trade union movement) zeigt auf, dass zwischen 2009 und 2012 zwar insgesamt weniger gesandstrahlt wurde, die Sandstrahl-Technik aber trotz Verboten von Markenfirmen noch immer weitverbreitet ist.

Untersucht wurden sechs Fabriken in China, wobei zwei Fabriken zu den ganz grossen chinesischen Kleiderfabrikanten mit insgesamt mehreren tausend Angestellten gehören. Die untersuchten Fabriken produzieren u.a. für bekannte Marken wie Lee, Levis, H&M, Hollister, Old Navy, Wrangler, Jack&Jones, Only, Vero Moda, Amercian Eagle etc.

Nur eine der sechs untersuchten Fabriken hat zum Zeitpunkt der Recherche die Sandstrahl-Aktivitäten ganz eingestellt. Drei weitere Fabriken hatten gemäss offiziellen Angaben die Sandstrahl-Aktivitäten eingestellt. Laut ArbeiterInnen wird jedoch weiterhin sandgestrahlt.

Sandstrahlen im Verborgenen

Die Sandstrahlabteilungen werden zunehmend versteckt und räumlich ausgelagert. In zwei der untersuchten Fabriken wurde mittels Überwachungskameras sichergestellt, dass die SandstrahlerInnen möglichst wenig Kontakt mit dem Rest der Fabrikangestellten haben. Da die Technik hochgefährlich ist, versuchen Fabrikbesitzer die ArbeiterInnen mit deutlich höheren Löhnen zu locken – eine zynische Vorgehensweise, die das Recht der Menschen auf sichere Arbeitsplätze schlicht ignoriert und wirtschaftliche Abhängigkeiten ausnutzt.

Ebenso gefährliche Alternativtechniken

Die Recherche zeigt auch, dass der Schritt weg von der Sandstrahltechnik nicht unbedingt bessere Arbeitsbedingungen bedeutet. Alternativtechniken, z.B. die Verwendung von chemischen Sprays um den Used Look zu erreichen, gefährden die Gesundheit der ArbeiterInnen massiv, weil diese dabei kaum Schutzkleidung tragen.

In den untersuchten Fabriken wurden neben der Gesundheitsgefährdung auch weitere Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt, wie z.B. Repressalien gegen ArbeitsrechtlerInnen, massive Überzeit der ArbeiterInnen oder drakonische Geldbussen für „Vergehen“ wie das Bringen von FreundInnen ins Wohnheim ohne Erlaubnis des Managements, oder das nicht vorschriftsgemässe Tragen der Uniform. Fristlose Entlassungen blühen denjenigen, die bei der Arbeit zu langsam sind oder einnicken.

Die Hongkonger Non-Profit-Organisation SACOM zeigt in ihrem Videoclip die Arbeitsbedingungen in Chinas Jeansindustrie:

Forderungen

Der Bericht zeigt klar auf, dass Verbote seitens Markenfirmen nicht ausreichen, um die tödliche Sandstrahltechnik zu stoppen.

Die CCC fordert daher,

  • dass Regierungen ein nationales Sandstrahlverbot in der Jeansindustrie erlassen,
  • dass die Schweiz und die EU ein Importverbot von sandgestrahlten Jeans einführen,
  • dass Markenfirmen sicherstellen, dass ihre Lieferanten die Sandstrahltechnik fabrikweit einstellen und keine anderen schädlichen Alternativtechniken anwenden.

Modefirmen und DesignerInnen stehen zudem in der Verantwortung, keine Modetrends zu lancieren, denen in der Produktion gesundheitsschädigende Praktiken zugrunde liegen.
Lesen Sie den Bericht:

Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Breathless for blue jeans: Health hazards in China Breathless for blue jeans: Health hazards in China’s denim factories (5.0 MB)

Quelle: Erklärung von Bern